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02.08.2026

Géraldine Di Tizio-Frey und Milla Tonazzi mit viel Selbstbewusstsein in Birmingham und Eugene

Eine Einschätzung von Jan Mühlethaler

Europameisterschaften, Weltmeisterschaften. Géraldine Di Tizio-Frey, Milla Tonazzi. Es klingelt in den Ohren … und es gilt, den Moment und die Vorfreude zu geniessen. Géraldine Di Tizio-Frey, schnellste Europäerin über 100 Meter. Milla Tonazzi, Mitglied der weltschnellsten Juniorinnensprintstaffel. Was sind das für Perspektiven? Was ist das für eine Sternstunde für die Schweizer Leichtathletik, für den Kanton Zug, für den LK Zug!

Die schnellste Pharmazeutin der Welt hat ihren zweiten Olympiazyklus mit viel Elan und Motivation in Angriff genommen. Unterstützt unter anderem von Schulthess, deren CEO ein grosser Leichtathletikfan ist und die schnellsten Waschmaschinen produziert, dem LKZ 100er Klub, dem Leichtathletik Klub Zug und dem «Géraldine Frey Platinum Club» absolviert die Zugerin ein Traineeship bei Galenica und arbeitet kompromisslos auf ihre zweite Olympiateilnahme hin. Und wie sie dies tut. Im letzten Sommer schaffte sie mit 11,09 Sekunden in Fribourg eine persönliche Bestzeit und schaffte es an den Weltmeisterschaften in Tokio in die Halbfinals. Mit ihrer Zeit in Fribourg klassierte sie sich auch zum Jahresende an der Spitze der Schweizer Bestenliste und wurde Ende Januar dieses Jahres erstmals mit dem begehrten Zuger Sportpreis ausgezeichnet.

Das ist ein gutes Omen, das nur durch die knappe Nichtselektion für die Hallenweltmeisterschaften in Polen getrübt wurde. Schwamm drüber. Kopf leeren. Wegstecken. Aufstehen. Weitertrainieren. Dem hat sich Géraldine Di Tizio-Frey verschrieben. Sie trainiert wie schon im letzten Jahr bei Patrick Saile, was nicht heisst, dass ihr langjähriger Trainer und jetziger Schwiegervater Lucio Di Tizio von der Bildfläche verschwunden wäre. Er ist nach wie vor präsent, zwar im Hintergrund, aber weiterhin mit wertvollen Beobachtungen, die er mit Patrick Saile, dem Nationaltrainer, teilt.

Auch die Staffel spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, hat aber nur zweite Priorität. Dies machte Géraldine Di Tizio-Frey unmissverständlich klar – im Hinterkopf, wenn auch nur dort, sitzt noch immer der Staffelentscheid an den Sommerspielen in Paris, der in der Leichtathletikwelt kontrovers diskutiert worden sind. Doch auch hier gilt: Vergangenheit, Wegstecken, Vorwärtsschauen.

Jetzt stehen die Europameisterschaften in Birmingham, die Weltmeisterschaften in Peking und die Sommerspiele in Los Angeles im Fokus. Spätestens seit dem legendären Rennen in Bulle, als Géri mit magischen 10,98 erstmals offiziell unter 11 Sekunden blieb, leuchten die Augen vieler Leichtathletikfreunde heller denn je. Auch bei Spitzenleichtathletik Luzern nahm die Erfolgsgeschichte ihre Fortsetzung, als die Athletin des LK Zug mit 11,20 Sekunden bei ungünstigen Bedingungen klar schnellste Schweizerin war.

Was dann an den Schweizer Meisterschaften in Zürich vonstattenging, ist noch immer schwer zu fassen. Ein Final wie aus dem Lehrbuch, hervorragende Bedingungen, ein Spitzenfeld mit zwei Sprinterinnen des LK Zug – Géraldine Di Tizio-Frey und die zehn Jahre jüngere Milla Tonazzi –, ein Hauch von Weltklasse hing in der Luft. Und Weltklasse war letztlich auch das Rennen – mit einer Siegerin, die über diese Distanz erstmals Géraldine Di Tizio-Frey hiess. 10,96 mit 0,5 Meter pro Sekunde Rückenwind, persönliche Bestleistung, European Lead, Qualifikation für die EM in Birmingham. Ein Final wie kein zweiter an Landesmeisterschaften in Europa.

Milla Tonazzi, die zweite Zuger Finalistin, lief in den Halbfinals mit 11,42 Sekunden persönliche Bestzeit und war schon zuvor über 200 Meter und mit der Staffel für die Juniorinnen-Weltmeisterschaften in Eugene selektioniert worden. Was für eine Leistung der jungen Athletin aus Risch, die zum dritten Mal in Folge an einem Nachwuchsgrossanlass teilnimmt.

Profitieren kann sie auch von den Erfahrungen ihrer Vereinskollegin Géraldine, wenngleich die beiden Sprinterinnen bisher höchst selten zusammen trainierten. Milla Tonazzi, unterstützt unter anderem von Finpension, Infoguard, dem LKZ 100er Klub und dem Panathlon Club Zug, trainiert schwergewichtig bei Urs Henggeler und Daniel Baumgartner. Die Staffeltrainings absolviert sie mit dem Nationalteam jeweils in Bern. Immerhin liefen die beiden Zugerinnen im letzten Jahr zusammen in der Sprintstaffel des LK Zug. Mit Erfolg, wie man weiss: Sie wurden Schweizer Meisterinnen und zählten zudem zu den acht Nominierten für den Zuger Sportpreis.

Summa summarum, goldene Aussichten für den Zuger Sprint, aber auch Demut und die Gewissheit: Von nichts kommt nichts … Géraldine Di Tizio-Frey, die ihren Master in Pharmazie an der ETH Zürich abgeschlossen hat, ist im besten Spitzensportalter und trainiert seit Jahren auf diesen Moment hin, der sich noch immer besonders und sehr emotional anfühlt. Milla Tonazzi steht am Anfang einer verheissungsvollen Leistungssportlaufbahn und wird von einem kleinen, aber wirkungsvollen Team auf die Olympischen Sommerspiele 2032 in Brisbane aufgebaut. Das ist zwar noch weit weg, aber schneller im Fokus als mancher denkt. Los Angeles und Brisbane, zwei Kontinente, zwei Städte, die Tausende von Kilometern vom Letzigrund und der Hertiallmend entfernt liegen. Und doch klingen sie wie Harfen in den Ohren. Sie wecken eine Sehnsucht und sie stehen für ein Ziel, das Athletinnen wie Géraldine Di Tizio-Frey und Milla Tonazzi vor Augen haben, wenn sie sich im Kraftraum abrackern oder aus den Startpflöcken schiessen.

Vorderhand sind es die Städte Birmingham und Eugene, die unser aller Aufmerksamkeit geniessen. Géraldine will an den EM über 100 Meter erstmals an einem Grossanlass im Final mittun, Milla Tonazzi hat an den Juniorinnen-WM die Halbfinals über 200 Meter vor Augen – und ja, beide haben ihre Zielsetzungen vielleicht noch höher gesteckt.

Wir fiebern mit und nehmen, was kommt. Die Leichtathletikgötter sollten milde gestimmt sein, überstrapazieren werden sollen sie aber nicht.

 

 

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